Ultraliberale Korrispondenz
Peter Paris



Ultraliberale Korrespondenz Nr. 104 - 05.04.2022
für Gentechnik, Atomenergie, Kapitalismus, Freiheit, direkte Demokratie

Liberalismus herrscht, wenn die Interessen des einzelnen Bürgers weitmöglichst Vorrang vor den Interessen des Staates geniessen.

Faschismus* herrscht, wenn die Interessen des Staates weitmöglichst Vorrang vor den Interessen des einzelnen Bürgers geniessen. - Peter Paris

* gemeint ist nicht Nazismus

Die westeuropäischen Länder sind keine Bananenrepubliken !

Das weiss doch jeder. Das Klima ist hier doch viel zu kalt, um Bananen zu züchten. Obwohl, es scheinen hier doch Politiker und Rechtspfleger alles daran zu setzen, die Bananenrepubliken superbananisch zu übertreffen.

Erfolgreiche Geschäftsleute nennt man in Italien „imprenditori“ und ab und zu werden sie vom Präsidenten beehrt und zum Cavalliere oder Commendatore ernannt. In Frankreich kriegen sie die Ehrenlegion und in Deutschland das Bundesverdienstkreuz am laufenden Bande.

Nicht so, wenn es sich um russische Unternehmer handelt, dann sind sie Oligarchen. Bestenfalls werden sie von der westeuropäischen Presse wegen ihres luxuriösen Lebensstiles mit Hohn und Spott überzogen, meist aber wie Kriminelle behandelt. Ganz schlimm, wenn dann ein Foto auftaucht, wo man sieht, dass sie tatsächlich dem gewählten Präsidenten ihres Landes die Hand gegeben haben.

Nun, jetzt wird ihnen von den Westeuropäern ihr Vermögen geraubt - Yachten, Immobilen, Aktien, Konten usw. - provisorisch oder definitiv - man weiss es nicht. Sie müssen nichts getan haben, sie müssen den Ukrainekrieg nicht befürwortet haben. Sie müssen Putin noch nicht einmal lieben.

So wäre kürzlich ein westeuropäischer Immobilienfond beinahe total blockiert worden, weil ein Russe einen grossen Anteil daran gekauft hatte. Dass die Mehrheit der Anteile vielen kleinen, westeuropäischen Sparern gehörten, das spielte keine Rolle - mitgefangen mitgehangen. Glücklicherweise konnte der Russe dann nachweisen, dass er noch eine andere Staatsangehörigkeit besass und die Sache ging gut aus. Er war dann eben kein Oligarch mehr.

Die mittelamerikanischen und afrikanischen Bananenrepubliken werden natürlich zweifellos wert auf die Feststellung legen, dass bei ihnen so etwas nicht vorkommen kann. Sie sind ja schliesslich Rechtsstaaten in denen man niemandem ohne Rechtsgrundlage sein Eigentum wegnehmen kann.

Tugendsüchtige Supermoralisten oder effiziente Politiker?

„Bertolt Brecht prägte den Ausspruch „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“. Oft wird das so interpretiert, als sei den Menschen die Moral egal. Er meinte damit aber: Über ethische Fragen nachdenken kann man erst, wenn der Magen voll ist.“ (INTERNET)

Ein paar Jahrzehnte Kapitalismus in Europa und Amerika haben die Mägen gut gefüllt und da die International- und Nationalsozialisten überall totalen Schiffbruch erlitten haben, wandelten sie sich in tugendsüchtige Supermoralisten und da die meisten von ihnen ohnehin zu träge oder zu unbeholfen sind, normalen Geschäften nachzugehen, ziehen sie es vor, sich vom Staat durchschleppen zu lassen, der sie mit den abgepressten Steuergeldern der Normalbürger bezahlt. So beträgt in Deutschland die wirtschaftliche Staatsquote ca. 50 %. Trotzdem bezeichnet sich dieser Staat noch als liberale Demokratie.

Doch die Moral ist recht flexibel. Besonders moralisch ist das Völkerrecht. Es ist zwar nicht effizient, denn selbst wenn ein Land oder ein Bürger gegen ein grosses Land Recht bekommt - es gibt keinen Gerichtsvollzier. Und die völkerrechtlichen Vorschriften sind oft kurios. So sind offenbar nationale Grenzen für immer verbindlich, egal wer sie wie festgelegt hat.

So hat irgendwann Chruschtschow die Krim der Ukraine zugeschlagen obwohl da überwiegend Russen wohnten - wie im Donbass. Die Ukrainer haben dort auch verboten die russische Sprache zu verwenden, wenn man nicht ins Gefängnis wollte. Auf der Krim hat Russland das schnell durch die Besetzung gelöst, aber als die Dombass-Bewohner ihre Sprache benutzen wollten wurde ihnen das verwehrt. Als sie sich daraufhin von der Ukraine abspalten wollten, wurden zigtausende von ihnen von Ukrainern getötet. Die hinterbliebenen Witwen und Kinder wurden aber im westeuropäischen Fernsehen nicht gezeigt. Sie waren wohl nicht genug fotogen.

Ein paar Jahre vorher war das ganz anders. Als die Kosovaren sich von Serbien abspalten wollten, da hat die Nato keine Waffen und Munition an Serbien geliefert um dem Völkerrecht genüge zu tun. Nein die Nato hat nicht den abtrünnigen Kosovo bombardiert, sondern Belgrad in Serbien. Also gilt der Wille der Bewohner einer Region doch vor dem zweifelhaften Völkerrecht? Eigentlich ideal - Stimmzettel vor Maschinenpistolen. Das wird Teile der Ampel-Regierung in Deutschland freuen. Man hält dort oft nicht ganz so viel von Recht und Gesetz, sonst würde Jennifer Morgan von Greenpeace nicht im Auswärtigen Amt sitzen.

Aber nicht nur die die Moralisten haben recht: Putins Krieg gegen die Ukraine ist nicht entschuldbar. Er ist völlig unverhältnismässig, so als ob ich jemand, der mein Auto stehlen will, mit der Axt erschlage. Die Frage ist nur, hätten wir ihn vermeiden können und können wir weiteres Blutvergiessen verhindern ? Ja, die westeuropäischen Politiker hätten sich klüger verhalten sollen und sie sollten sich künftig klüger verhalten.

Ein gut informierter Pole in Deutschland sagte mir, dass 80 % der Russen jetzt hinter Putin stehen und ein deutscher Bekannter meinte: „Putin ist ein Verbrecher und mit Verbrechern verhandelt man nicht.“ Ja, allerdings meine ich auch, es ist eben nicht „Putins Krieg“, sondern der Krieg der Russen und mit Sicherheit stehen sie aus purer Angst hinter Putin. Ein deutscher Politiker sagte kürzlich im Fernsehen: „Die Nato oder Westeuropa bedroht doch niemand.“ Das ist sicher richtig, aber warum wurden dann in Russlands Nähe militärische Nato-Einrichtungen gebaut und verstärkt ? Nun, einen Grund zur Bedrohung wird man immer finden - vielleicht morgen.

Da wir jetzt in Westeuropa vielfach von idealistischen Traumtänzern regiert werden, wird man vielleicht schnell einmal in eine gefährliche Konfrontation mit Russland kommen, zum Beispiel wenn Russland sich nicht so grün verhalten wird wie unsere Grünen Ökolofaschisten es fordern und ihren fantastischen hysterischen Umweltschutz-, Klimaschutz- und Virusbekämpfungs-Massnahmen nicht nachkommt.

Jüngere Leute können heute vielleicht nur schwierig unsere Angst nachempfinden, als wir uns am 27. Oktober 1961 mit Freunden per Telefon abstimmten, dass einer von uns die ganze Nacht die Nachrichten hört, um uns zu warnen, wenn der Krieg los geht, als russische und amerikanische Panzer sich mit laufenden Motoren in Berlin gegenüber standen. Ich, wie viele andere, wollte dann sofort ein paar Sachen in den Wagen packen und nach Frankreich flüchten. Ob das möglich oder sinnvoll gewesen wäre, das weiss ich nicht. Doch ich war glücklich, als drei gute, geniale Politiker - Gorbatschow, Jelzin und Putin uns von dieser Angst befreit hatten.

Ja, deren Land hatte den kalten Krieg verloren. Aber einem Land, was verliert, darf man nicht die Selbstachtung nehmen wie wir es mit Russland getan haben. Es gibt dafür ein historisches Beispiel: Als Deutschland den ersten Weltkrieg verlor, wurde es von Siegern gedemütigt. Ich denke zu recht. Aber sehr viele Deutsche hatten das nicht verwunden, sonst wäre es Hitler wohl nicht so leicht gefallen, an die Macht zu gelangen. Nach dem zweiten Weltkrieg hingegen setzten einige intelligente Leute sich durch - Jean Monnet, Robert Schumann, Alcide de Gasperi und andere und nahmen Deutschland gleichberechtigt in ihr Europa auf, mit grossem Erfolg für Europa und den Weltfrieden.

Leider hat man den Russen dieses Entgegenkommen weitgehend verweigert. Man wollte auf den gewohnten Feind nicht ganz verzichten. Man kann Gerhard Schröder ruhig glauben, Putin war ein „lupenreiner Demokrat“, auch wenn sich das in einem Land nach Jahrhunderten der Zaren- und Sowjetherrschaft und mit 11 Zeitzonen etwas andere darstellt. Man hätte weniger Kritik, aber mehr Verständnis zeigen müssen. Zumindest hätte man durch Umgestaltung oder Ersatz der Nato ein europäisches Sicherheitssystem entwickeln müssen und Russland hätte heute längst EU-Mitglied sein müssen, vielleicht auch mit Einschränkungen.

Heute stehen wir zwar vor einem Scherbenhaufen, aber es ist nie zu spät. Man muss miteinander sprechen und Verständnis füreinander zeigen. Man muss die Russen und Putin nicht verstehen, aber doch begreifen. Ja, selbst wer Putin für einen Verbrecher hält - man muss auch mit einem Verbrecher sprechen, besonders wenn er die Atombombe hat. Nun, Trump hat ja auch mit Kim Jong Il gesprochen. Er hat zwar noch keinen Erfolg gehabt, aber es ist ihm auch keine Perle aus der Krone gefallen. Für Menschenleben und Freiheit sollte man ruhig etwas Reputationsverlust in Kauf nehmen.

Aber der etwas einfältige Sozialist Biden legt ja - auch öffentlich - grossen Wert darauf, dass Putin verschwindet. Natürlich überlegt er nicht, wer dann nachkommt wenn doch 80 % der Russen die Politik dieses gewählten Präsidenten unterstützen. Mit wem müsste man dann verhandeln ? Wer könnte dann anstatt Putins eine klare Entscheidung treffen ? Bidens Aussenminister hat das Problem natürlich sofort verstanden und seinen Präsidenten dementiert. Aber da hat ihm Biden schnell die Leviten gelesen: „Nein Putin muss weg.“

Roger Köppel vermutete in „Weltwoche Daily“ , dass der alte Mann dabei wahrscheinlich böse mit dem Stock auf den Boden gestampft hat.

Westeuropa in der Hand von schrulligen moralinsauren Tagträumern

Es ist wohl in erster Linie Frau Baerbock zu verdanken, dass es in Deutschland nicht zu einem Grünen Bundeskanzler gekommenen ist. Es ist zu hoffen, dass sich nun doch nicht die Super Moralisten, die fantastischen Lastenfahrradfahrer, Genderspinner*innen, die hysterischen Umwelt- und Klimaretter*innen nicht durchsetzen werden, wenn es Herrn Lindner gelingt, diese Faschisten in Schach zu halten, die entscheiden wollen, wie ihre Mitbürger zu leben haben und sich schon heute auf die siebzehnte Corona-Impfung freuen.

Nun freuen sie sich insgeheim über den Ukrainekrieg und fordern den Stopp oder die Reduzierung der Gas-, Öl- und Kohleimporte aus Russland und besonders über den Spruch von Ex-Bundes-Präsident Gauk, dass die Bürger für die Freiheit einen Pullover anziehen sollen.

Sicher wird man dann im nächsten Winter Reklame gegen den Energie- und Stromverbrauch machen. Das gab es in meiner Kindheit schon mal, Sie können es in INTERNET noch bewundern - „Die Liese und die Miese“. Die gute Liese schwärzt die böse Miese an, die zuviel Strom verbraucht. Nur wird man sicher an den alten Comic-Zeichnungen etwas ändern müssen: Die Miese hatte damals ein grünes Gesicht. Das kriegt eben jetzt die Liese.

Wenn sich diese deutsche Träumerei-Politik durchsetzen sollte, dann werden viele Bürger der Europäischen Union hoffen, dass die einzelnen Mitgleisländer schnell Distanz zu Deutschland schaffen, damit das „führende Land Europas “ nicht die ganze EU kaputt macht, weil man den Boden der Realitäten verlässt und in linken Phantasien davonschwebt. Sonst wird es mindestens drei EUs geben - die Visegrad-Gruppe, die Südeuropäer einschliesslich Frankreich und schliesslich das vorschriftenfreundliche Deutschland mit ein paar Beibooten.

Grüsse und beste Wünsche für mehr Freiheit - vom Lago Maggiore
Peter Paris


E-mail: liberalissimo@euroschumann.eu